KSSV:
Herr Krichel, wie sind Sie damals zum SSV Saarlouis gekommen und was hat Sie dazu motiviert, Verantwortung im Verein zu übernehmen?
Wofgang Krichel:
Ich bin damals von Stella Sud zum SSV Saarlouis gewechselt, weil viele meiner Freunde hier gespielt haben. Kurz nach meinem Wechsel entstand die Situation, dass der Verein keinen Vorsitzenden mehr hatte. Man hat mich gefragt, ob ich die Aufgabe übernehmen würde, und ich habe gesagt: „Dann mache ich das.
KSSV:
Welche Momente aus Ihrer Zeit als Vorsitzender sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Herr Krichel:
Natürlich der Aufstieg – das war schon eine tolle Sache. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir aber auch die vielen gemeinsamen Erlebnisse mit meinen damaligen Weggefährten, die heute ungefähr in meinem Alter sind. Wir haben vieles gemeinsam auf die Beine gestellt, unter anderem Fahrten nach Italien mit 40 oder 50 Leuten vom SSV Saarlouis. Solche Dinge wären heute kaum noch möglich.
KSSV:
Auf welche sportlichen oder organisatorischen Erfolge des Vereins sind Sie besonders stolz?
Wolfgang Krichel:
Ich bin vor allem stolz darauf, dass der Verein heute noch besteht und nun erneut einen Aufstieg geschafft hat. Das macht uns natürlich unglaublich stolz.
KSSV:
Vor welchen Herausforderungen stand der SSV Saarlouis während Ihrer Amtszeit und wie haben Sie diese gemeistert?
Herr Krichel:
Wir hatten viele finanzielle Probleme, teilweise sogar sehr große Probleme. Gelöst haben wir sie, indem wir jeden angesprochen haben, den wir kannten, und um Unterstützung und Spenden gebeten haben. Damals hatten wir bei der Bank einen Dispositionskredit von 10.000 Euro – und selbst das war für den Verein schon schwierig zu stemmen.
KSSV:
Wie hat sich der Amateurfußball Ihrer Meinung nach in den letzten Jahrzehnten verändert?
Herr Krichel:
Die Entwicklung ist für mich erschreckend. Immer mehr Mannschaften melden ab oder ziehen sich aus ihren Klassen zurück. Das sieht man nicht nur hier, sondern überall. Besonders Sorgen macht mir die Tatsache, dass viele Vereine kaum noch Jugendmannschaften haben.
Umso erfreulicher ist es, dass beim SSV beziehungsweise im Verein zuletzt wieder etwas aufgebaut wurde und wir in der kommenden Saison wieder drei Jugendmannschaften stellen werden.
KSSV:
Welche Bedeutung hat der SSV Saarlouis für die Stadt und die Region?
Herr Krichel:
Der SSV Saarlouis ist der älteste Fußballverein der Stadt und wurde bereits 1902 gegründet. Gerade in den Anfangsjahren engagierten sich viele Saarlouiser Geschäftsleute für den Verein. Auch als ich angefangen habe, waren noch einige von ihnen dabei.
Mit der Zeit haben sich diese Menschen allerdings zunehmend aus dem Fußball zurückgezogen. Das hatte nichts mit dem SSV zu tun, sondern war einfach ein gesellschaftlicher Wandel. Früher wurden Geschäftsleute regelmäßig um Spenden gebeten und viele haben geholfen.
Heute ist die Situation deutlich schwieriger. Von Mitgliedsbeiträgen und Zuschauereinnahmen allein kann ein Verein kaum leben. Ein Vorteil ist allerdings, dass Spieler in den unteren Klassen inzwischen kaum noch Geld erhalten.
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KSSV:
Welche Rolle spielen Ehrenamt und freiwilliges Engagement heute noch im Vereinsleben?
Herr Krichel:
Das ist für mich eine schwierige Frage, denn das Ehrenamt ist eigentlich das Fundament jedes Vereinslebens. Leider gibt es heute immer weniger Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzuarbeiten.
Viele möchten lieber auf den Platz gehen, zuschauen und hoffen, dass sich „die anderen“ kümmern. Umso erfreulicher ist es, wenn sich neue Menschen engagieren. Besonders freut es mich, dass inzwischen auch immer mehr Frauen Aufgaben in den Vereinen übernehmen. Das gibt mir Hoffnung für die Zukunft.
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KSSV:
Gibt es Spieler, Trainer oder Weggefährten, die Sie während Ihrer Zeit besonders geprägt haben?
Herr Krichel:
Ja, da gibt es einige. Martin Schimschek zum Beispiel, der noch heute regelmäßig auf den Sportplatz kommt. Auch Roger Rea gehört dazu, obwohl er mittlerweile in Wiesbaden lebt und nicht mehr so oft hier ist.
Das waren Menschen, auf die man sich immer verlassen konnte. Ebenso Peter Borsch und viele andere, die über viele Jahre hinweg immer für den Verein da waren.
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KSSV:
Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft und die Entwicklung des SSV Saarlouis?
Herr Krichel:
Mein größter Wunsch ist natürlich, dass wir die Klasse halten können. Der Aufstieg in die Landesliga war ein großer Erfolg, und jetzt gilt es, sich dort zu etablieren.
Langfristig muss man schauen, was mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten machbar ist. Im Moment kann ich mir schwer vorstellen, dass ein weiterer Aufstieg realistisch wäre.
Allerdings haben wir mit Erol Boran einen hervorragenden Trainer, der die Mannschaft sehr gut im Griff hat und in den vergangenen Jahren viel Positives aufgebaut hat. Deshalb blicke ich optimistisch in die Zukunft.
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KSSV:
Herr Krichel, vielen Dank für das Interview und für die Zukunft alles Gute.
Herr Krichel:
Vielen Dank, ich danke ebenfalls.